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Die "Zentrale Transportkartei" (Ústřední Kartotéka – Transporty) ist ein wesentlicher Bestandteil der Zentralkartothek des Rats der jüdischen Religionsgemeinschaften in den tschechischen und mährisch-schlesischen Ländern (RŽNO, židovských náboženských obcí v zemích České a Moravskoslezské). In der Transportkartei trugen die Mitarbeiter*innen des RŽNO Informationen zu mehr als 120.000 Jüdinnen und Juden zusammen, die zwischen November 1941 und Mai 1945 aus der besetzten Tschechoslowakei – dem sogenannten Reichsprotektorat Böhmen und Mähren – sowie seit April 1942 auch aus anderen Ländern Mitteleuropas in das sogenannte Ghetto Theresienstadt deportiert und entweder von dort in die Vernichtungslager im Osten oder andere Konzentrationslager weitergeleitet worden waren, oder aber das “Ghetto” und den Krieg überlebt hatten.
Die "Zentrale Transportkartei" (Ústřední Kartotéka – Transporty) ist ein wesentlicher Bestandteil der Zentralkartothek des Rats der jüdischen Religionsgemeinschaften in den tschechischen und mährisch-schlesischen Ländern (RŽNO, židovských náboženských obcí v zemích České a Moravskoslezské). In der Transportkartei trugen die Mitarbeiter*innen des RŽNO Informationen zu mehr als 120.000 Jüdinnen und Juden zusammen, die zwischen November 1941 und Mai 1945 aus der besetzten Tschechoslowakei – dem sogenannten Reichsprotektorat Böhmen und Mähren – sowie seit April 1942 auch aus anderen Ländern Mitteleuropas in das sogenannte Ghetto Theresienstadt deportiert und entweder von dort in die Vernichtungslager im Osten oder andere Konzentrationslager weitergeleitet worden waren, oder aber das “Ghetto” und den Krieg überlebt hatten.
Wo wurde das Dokument eingesetzt und wer hat es erstellt?
Die Zentrale Transportkartei (Ústřední Kartotéka – Transporty) wurde ab 1947 in Prag durch die Evidenzabteilung des RŽNO erstellt und bearbeitet. Aufgabe dieser Abteilung war es nach dem Krieg, sämtliche Unterlagen und Informationen zusammenzutragen, die Aufschlüsse und Nachweise (Evidenzen) über den Verbleib und das Schicksal der Angehörigen der jüdischen Gemeinden auf dem Gebiet der zwischen 1938 und 1945 vom nationalsozialistischen Deutschland besetzten Tschechoslowakei enthielten. Ihre Arbeit gestaltete sich insofern schwierig, als dass wesentliche Unterlagen und Beweismittel sowohl der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Prag als auch des Prager Ältestenrates der Juden in den letzten Kriegstagen von den Nationalsozialisten vernichtet worden waren und die in den vernichteten Dokumenten enthaltenen Informationen nunmehr anhand anderer Quellen rekonstruiert werden mussten.
Zum Zweck der Schicksalsklärung und Auskunftserteilung diente die Zentrale Transportkartei dem RŽNO seit ihrer Erstellung ab 1947 bis mindestens Ende der 1960er-/Anfang der 1970er-Jahre. Inzwischen digitalisiert, wird sie heute für denselben Zweck insbesondere durch die Mitarbeiter*innen der Arolsen Archives genutzt. Als Teil der Zentralkartei des RŽNO stellt sie bis heute eine der wichtigsten Quellen zur Geschichte des Holocaust im Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei dar.
„Durch die Evakuation der Juden wurden die Familien völlig auseinandergerissen. Nach dem Krieg wird vielleicht jeder tschechoslowakische Jude nach seinen Familienangehörigen suchen. Es wird notwendig sein, eine Evidenz [d.h. einen Nachweis] aller Juden zu organisieren, ihre Schicksale und Aufenthaltsorte festzustellen, um die Familien wieder zusammenführen zu können, und verlässliche Informationen über die Schicksale einzelner zu übermitteln…“ [zitiert nach Hájková, 2000] – so formulierten unbekannte tschechisch-jüdische Verfasser bereits 1942 kurz nach Einsetzen der Deportationen nach Theresienstadt in einem Memorandum.
Zu eben diesem Zweck begann der RŽNO unmittelbar nach Kriegsende damit, alle ihm zugänglichen Informationen zur Registrierung, Inhaftierung, Deportation und zu den Schicksalen all jener Personen in Karteien zu erfassen, die zwischen 1938 und 1945 von der deutschen Besatzungsmacht auf dem Gebiet der ehemaligen Tschechoslowakei als Jüdinnen und Juden verfolgt worden waren. Neben Melde- und Registrierungsunterlagen sowie Sterbe- und Friedhofsbüchern zählten v.a. auch die Listen der Transporte, die das sogenannte Ghetto Theresienstadt ab Ende 1941 erreicht bzw. in Richtung der im Osten gelegenen Vernichtungslager verlassen hatten, zu den ausgewerteten Materialien. Die aus den Transportlisten gewonnenen Informationen wurden auf spezielle Karteikartenvordrucke übertragen und zu einem späteren Zeitpunkt in eine alphabetisch sortierte Gesamtkartei – die Zentralkartothek des RŽNO –integriert.
In den Nachkriegsjahren nutzte der RŽNO seine Zentralkartothek vor allem als Grundlage dafür, Anfragen überlebender tschechischer und ausländischer Jüdinnen und Juden nach vermissten Angehörigen zu beantworten, zerrissene Familien wieder zusammenzuführen oder dafür, Überlebenden Nachweise über die unter deutscher Okkupation erlittenen Repressionen (zum Beispiel Inhaftierungen) auszustellen. Die Karten der Zentralen Transportkartei dienten dabei einerseits dem Zweck, die Deportationen nach sowie Haftzeiten und gegebenenfalls das Überleben in Theresienstadt zu belegen. Zum anderen waren die in ihnen festgehaltenen Informationen über Deportationen in die Vernichtungslager häufig die letzten existierenden Hinweise auf den Verbleib der betroffenen Personen.
Mit mehr als 120.000 Karten macht die Zentrale Transportkartei den Großteil der insgesamt etwa 160.000 Karten umfassenden Zentralkartothek des RŽNO aus, die heute von der Föderation der jüdischen Gemeinden in der Tschechischen Republik (Federace židovských obcí v České republice, FŽO) in Prag, der Nachfolgeorganisation des RŽNO, verwahrt wird.
Den Arolsen Archives liegt die vollständige Zentralkartothek des RŽNO in digitaler Kopie vor. Im Online-Archiv bildet sie den Teilbestand 1.1.42.2.
Die Karten des Typs I. machen mit einer Anzahl von knapp 71.000 Stück mehr als die Hälfte der Zentralen Transportkartei des RŽNO aus.
Die Zentrale Transportkartei enthält Informationen nur zu denjenigen nach Theresienstadt deportierten Personen, die von dort aus in andere Lager weitergeleitet wurden, oder aber die Befreiung des sogenannten Ghettos am 8. Mai 1945 miterlebten. Die mehr als 30.000 Menschen, die zwischen November 1941 und Mai 1945 im "Ghetto" Theresienstadt den Tod fanden, wurden vom RŽNO getrennt in verschiedenen Sterbefallkarteien dokumentiert. Auch diese Sterbefallkarteien sind heute Bestandteil der RŽNO-Zentralkartothek.
Falls Sie weitere Hinweise zu diesem Dokument haben, freuen wir uns über Rückmeldungen an eguide@arolsen-archives.org. Die Dokumentenbeschreibungen im e-Guide werden regelmäßig erweitert – und das gelingt am besten durch das gemeinsame Zusammentragen von Wissen.
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